Axel Geis | Paul Wesenberg

The Third Element
Malerei
 
 
28. Januar bis 26. Februar 2023
Axel Geis, Torrero, 2020, 170x100 cm, Öl auf Leinwand
Axel Geis, Torrero, 2020, 170x100 cm, Öl auf Leinwand

 
Eröffnung: Freitag, 27. Januar 2023, 20:30 Uhr
Begrüßung/Einführung: NN
Kuratoren: Klaus Maßem | Werner Müller

Bitte beachten Sie beim Besuch der Galerie das aktuelle Hygienekonzept.

The Third Element

Unsere Gegenwart wird überformt von einem riesigen Bilderberg. Kino, Printmedien,
Werbung, Fotografie, Video, computergenerierte Bild- und Raumbehauptungen - bunter
Bilderregen überall. Mediale Bilder schaffen Tatsachen und definieren, was ist.
Weil aber nichtsdestotrotz auf Teufel komm raus gemalt wird, weil der Tod der Malerei zwar
immer wieder behauptet wurde, dieses zähe Medium, aber trotzdem nicht totzukriegen war
und ist, ist es vielleicht doch denkbar, dass die Malerei gebraucht wird, dass sie angesichts des
Übergewichts der medialen Bilder in einer durch diese definierte Realität einen ganz
besonderen Part im Spiel der Bildkonstruktionen zu übernehmen vermag, der es ohne
Sentimentalität und Rückwärtsgewandtheit gelingen mag, zeitgenössische Qualitäten des
Bildes zu formulieren.
Axel Geis und Paul Wesenberg sind zwei Künstler, die beide nicht aus Berlin stammen, aber
in Berlin leben. Ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher nicht sein, doch für den
kulturellen Kontext der Metropole Berlin ist das gerade typisch. Seit Jahrzehnten lebt die
Stadt aus der Dynamik des Melting Pot. Hat es in der Nachkriegszeit unter den Bedingungen
der geteilten Stadt vielleicht noch so etwas wie "Berlinische" Stilentwicklungen in Ost und
West gegeben, entwickelte sich die Kunstszene Berlins nach dem Mauerfall zu einem
Pluriversum höchst unterschiedlicher ästhetischer Perspektiven. Die Malerei nimmt in diesem
System eine unübersehbar wichtige Position ein.
Axel Geis und Paul Wesenberg sind typische Berliner Protagonisten unseres Jahrzehnts.
Sie sind weder Bilderstürmer noch hecheln sie der Bilder-Überfluss-Produktion hinterher.
Ihre Bilder sind in Kenntnisnahme des medialen Bilderflusses entstanden, aber nicht dessen
ästhetische Folge. Medienreflexivität und das Eintreten für die fortwährende Aktualität und
einen sehr weit gefassten Begriff von Malerei kennzeichnen ihr Werk.
Axel Geis jongliert virtuos mit den Traditionen malerischer Produktion, während Paul
Wesenberg hauptsächlich auf und mit der Malhaut experimentiert.
Geis wählt Topoi, die ihm eine sanktionierende Rezeption liefert. Seine Anerkennung im
Kunstmilieu basiert auf seinen Rückgriffen auf kanonisierte Modi der Kunstgeschichte, die
er im Sinne erinnernder Bilder versteht und die er weder post-, postpost- oder neo-, sondern
als all diese Formeln zusammen formuliert. Bei seinen Bildern handelt es sich um
Reflexionen im Sinne einer Basisüberlegung zum Sprechen über Subjektivität, der Gefühle
konstitutiv inhärent sind. Die Körperhaltung seiner Figuren bzw. die Art der
Gegenstandserfassung basiert auf einer inneren Einstellung, welche orientiert ist auf
Affirmation des Daseins. Gleichzeitig ist diese Haltung auf ein Umgehen mit dem gerichtet,
was überraschend, heimlich, unerwartet situativ und kontingent ist. Insofern mischen sich in
den Bildern von Axel Geis auf ganz spezielle Weise das Romantische mit dem
Melancholischen mit dem Geheimnisvollen.
Paul Wesenberg ist ein Maler mit besonderem Interesse an der Materialität von Farbe und
Leinwand. Sein Vorgehen zeigt einerseits eine hochreflektierte Fundierung der eigenen
Position und andererseits eine unbändige Lust, Anspruch und Autonomie des Bildes möglichst
opulent zur Ansicht zu bringen.
Das freie Schwingen seiner Formen, mal abstrakt, mal konkret, hier chaotisch in der
Formballung, dort pinselzahm linear, einerseits massiv farbverdickt, andererseits
unbekümmert flüssig, macht seine Bilder zu sinnlichen Ereigniszonen.
Neuerdings lässt Paul Wesenberg seine Bilder in den Raum expandieren, entweder mittels
Objektkästen ("Painter's Garden", 2018) oder in der Installation ("Magical Paintings", 2019),
die die Malhaut, wie von magischer Hand geführt, schweben lässt. Das aus der Malhaut
Herausgehobene markiert einen Bruch, es hinterlässt eine materielle Fehlstelle. Unter der
abgehoben Oberfläche lauert das Nichts. Tiefsinn ist eine emotionale Kategorie. Sich ihr zu
nähern, gelingt Wesenberg über seine faszinierend konzipierten Oberflächen-Arrangements.

Christoph Tannert
Berlin, 2020


AXEL GEIS, 1970 in Limburg/Lahn geboren, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden
Künste Karlsruhe sowie an der Kunsthochschule Mainz. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seine
Werke werden seit den 00er Jahren in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, so zuletzt in
der Avlskarl Gallery, Copenhagen, in der Galerie Wentrup, Berlin, bei Mitchell Innes & Nash,
New York, Gallery Almine Rech, Paris und in der Kunsthalle Mannheim. Außerdem nahm er an
Gruppenausstellungen teil im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen, im Portland Art
Museum, USA, im Centre Pompidou, Paris, im Museum der bildenden Künste Leipzig
und in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. Werke von Axel Geis sind in verschiedenen
öffentlichen Sammlungen vertreten, wie dem Musée National d´Art Moderne Centre Pompidou,
Paris, dem Palm Springs Art Museum, der Rubell Family Collection, Miami, der Olbricht
Collection, Berlin, der Collection Gloria von Thurn und Taxis, Regensburg und dem
Saarland Museum Saarbrücken.

PAUL WESENBERG *1973 in Minsk/Weißrussland geboren, wuchs in Weißrussland,
Finnland und Deutschland auf. Seit 2017 lebt und arbeitet er in Berlin. Wesenberg studierte
an der Kunstakademie Minsk und der Muthesius Hochschule für Kunst und Gestaltung
Kiel. Anschließend folgten 10 Jahre projektbezogene Arbeit im Bereich grafische
Raumgestaltung in Kooperationen mit Architekten in Nordeuropa. 1995 erhielt er den
renommierten DAAD-Preis. Wesenbergs Arbeiten werden seit den 1990er Jahren in Einzel- und
Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt. Er ist von der Galerie Slag in New
York sowie von der Galerie RX in Paris vertreten.



[
www.axelgeis.de
]


Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
+49 (0)651 / 976 38 40

Samstag und Sonntag 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung
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Letzte Aktualisierung: 24.05.2022 14:00:50 © 2022 Kunstverein Trier Junge Kunst e.V.