Claus Stolz

Blühende Fantasie
Fotografische Montagen und Promptografien
Claus Stolz, Imagine #66. Pigment Print on Photo Rag, 2024. 120cm x 120cm
Claus Stolz, Imagine #66. Pigment Print on Photo Rag, 2024. 120cm x 120cm

 
12. Dezember 2026 bis 24. Januar 2027

Eröffnung: Freitag, 11. Dezember 2026, 20:30 Uhr
Einführung und Kuration: Markus Bydolek


Seit vielen Jahren konzentriert sich die Arbeit des Mannheimer Künstlers auf Grenzbereiche der Fotografie, mit inzwischen vier Werkserien, an denen er parallel arbeitet. Am bekanntesten dürften die einzigartigen Heliografien sein, die Claus Stolz bereits 2014 im Kunstverein Trier Junge Kunst vorgestellt hat. Sie entziehen sich einer klaren Kategorisierung - Fotografie, Materialuntersuchung, skulpturales Schaffen und klassische Bildschöpfung verschwimmen auf eigenwillige Art. Ganz um materialästhetische Aspekte fotografischen Materials geht es in der Serie Licht-Bilder.
In dieser Ausstellung nun sehen wir Arbeiten aus den Serien Kammerspiel und Imagine, die beide im weitesten Sinne um Fragen der Wahrhaftigkeit von fotografischen Bildern kreisen.

In der Kammerspiel-Serie produziert Claus Stolz synthetische Bildwirklichkeiten und greift dabei auf das klassische Genre des Stilllebens zurück. Während im Stillleben Objekte in eine zivilisatorische Ordnung eingehegt werden, geht es Claus Stolz in seinen hybriden Bildwelten nicht mehr nur um die abgebildeten Objekte, sondern es sind deren Gegensätzlichkeiten, die neu formiert werden: Echte und unechte, natürliche und künstliche, vergängliche und dauerhafte Dinge gehen bizarre Verbindungen miteinander ein. Natürliche Pflanzenteile verschmelzen mit künstlichen, Lebendiges wird vereinigt mit Plastik und anderen Materialien. Irritierenderweise besteht beispielsweise ein aufgeschnittener Apfel aus Styropor, ebenso wie diverse zerlegte Papageien.

In seinen Kammerspielen komponiert der Künstler eigene Aufnahmen oder Fragmente davon zu neuen Bildern. Dabei arbeitet er digital und setzt aktuelle Programme zur Bildverarbeitung ein, doch steuert er alle Prozesse selbst. Die Arbeitsergebnisse hängen unmittelbar ab vom Gestaltungswillen des Künstlers und seiner Geschicklichkeit beim Einsatz der verschiedenen Gestaltungswerkzeuge; Claus Stolz arbeitet hier noch künstlerisch im ganz klassischen Sinne. Das sei hier betont, denn davon entfernt er sich in der Serie Imagine radikal.

An dieser neuesten Werkgruppe arbeitet der Künstler seit nunmehr 2022. Mehr noch als in den Kammerspielen sind Pflanzen jetzt zum beherrschenden Bildmotiv geworden, doch diese Pflanzen haben es in sich! Faszinierend fremdartige Formen springen uns entgegen, teilweise in extremer Vergrößerung und dabei in einer hervorragenden, authentisch wirkenden Abbildungsqualität. Ihrer Fremdartigkeit zum Trotz lässt uns der Hyperrealismus dieser Pflanzenportraits spontan an ihre Authentizität glauben - wären da nicht auch die wie seltsame Mutationen wirkenden Auswüchse, Pflanzen, deren Teile wie falsch zusammengesetzt wirken oder die grotesken Verschmelzungen aus Tier und Pflanze, die ebenfalls wie naturgetreue Fotografien erscheinen, aber ganz offensichtlich einer Phantasie entspringen.
Unser Wahrnehmungsvermögen erliegt der Täuschung, und Orientierung gibt uns hier allein unser Wissen, dass die dargestellten Bildmotive in Wirklichkeit so nicht existieren können - und natürlich unsere Erfahrung, dass es heutzutage erdachte Bilder gibt, die von Fotografien nicht mehr zu unterscheiden sind. Und genau damit spielen diese Arbeiten von Claus Stolz: Sie sind, zumindest auf den zweiten Blick, fehlerhaft und somit gerade noch als "nicht-echt" zu entlarven. Was hat dies aber für eine Bedeutung für den Betrachtenden?

Derartige Bilder sind möglich mit Hilfe sogenannter Künstlicher Intelligenz, und auch Claus Stolz bedient sich dieser neuen technischen Möglichkeiten. Nicht allein in technischer Hinsicht geht er hier einen Schritt weiter als in den Kammerspielen, die auf händische Art und Weise entstehen: Die vorgetäuschte Wirklichkeit der Imagines bildet einen Gegenpol zu den Kammerspielen, die aufgrund ihres synthetischen, collageartigen Charakters klar als Kunstwerke identifizierbar sind.

Konkret entstehen die neuen, unmöglichen Bildwelten, die uns inzwischen auch im Alltag immer häufiger begegnen, unter Einsatz von Text-zu-Bild-Generatoren. Analog zu einer Textaufgabe, die zu ihrer Lösung zunächst in eine mathematische Gleichung zu übersetzen ist, gilt es hier Bildvorstellungen in sprachliche Befehle an eine KI, sogenannte Prompts zu übersetzen (daher der Begriff der Promptografie). Die KI, trainiert mit der Unmenge an Bildern, die im weltweiten Netz verfügbar sind, generiert daraus anhand dieser Sprachbefehle neue Bilder. Wie genau am Ende die resultierenden Bilder der Vorstellung des Künstlers entsprechen, hängt, nicht viel anders als bei händischer Bildverarbeitung, von seiner Geschicklichkeit ab. Nur geht es hier um die zielführende und präzise Formulierung von Anweisungen. Von Vorteil sind dabei gedankliche Klarheit, entwickelter Gestaltungswillen und tiefes Verständnis für dieses neue Medium der Bildformung.

In seinem berühmten dritten Clarke'schen Gesetz postuliert der SF-Autor Arthur C. Clarke: "Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden." Und in der Tat scheint sich hier hier der Künstler vom Handwerker in einen Magier zu verwandeln. Er spricht "Es werde…..", und will er nicht Unsinn oder Schlimmeres heraufbeschwören, muss er, genau wie im Märchen, imstande sein seinen Zauberspruch gut zu formulieren.

Markus Bydolek





Vita

 
1963   geboren in Mannheim, wo er auch lebt und arbeitet
1988-92   Studium an der Freien Kunstakademie Mannheim bei Gerd Lind, Wolfang Reindel und Rolf Schneider
Ab 2016   Dozent für Fotografie und Grundlagen der Wahrnehmung an der Freien Kunstakademie Mannheim (inzwischen ABK Mannheim)
Ab 2016   Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh e.V.)
Ab 2023   Mitglied der Deutschen Fotografischen Akademie (DFA)


Ausstellungen (Auswahl)
 
2025   art photo salon, Designhaus Darmstadt, Barlach Halle K, Hamburg und Heussenstamm Galerie Frankfurt/Main
  RADIKAL, DFA-Mitglieder im Atelierhaus Altes Güteramt, Mannheim
  EMOP Berlin: RIVALS - PHOTOGRAPHY VS. PROMPTOGRAPHY, Photo Edition Berlin C/O Galerie Guelman und Unbekannt
2024   Two Decks NETWORX, Künstlerhaus Dortmund
  Zweifelhafter Natur, Haus am Werderplatz, Heidelberg (E=Einzelausstellung)
  Sie haben das Recht zu schweigen, Galerie im Tulla, Mannheim (E)
  IMAGINE, Maquis Mami Wata, Mannheim (E)
  Kunst in den Gewölben, Kunstverein Germersheim
2023   Vermessungen, PORT25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim (K=Katalog)
  VOR ORT, Mannheimer Kunstverein (K)
  Reflektor, Kunstverein Trier Junge Kunst in der TUFA Trier
2022   Analog Total, Grassi Museum Leipzig (K)
  Reflektor, Kunstverein Trier Junge Kunst in der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz
  Lichtecht, Edgar Lissel und Claus Stolz, Port25 Raum für Gegenwartskunst, Mannheim (K)
2020   Materie ist Möglichkeit, Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen (E)
2019   Chamber Play, Galerie Oberwelt, Stuttgart (mit Barbara Hindahl und Knut Eckstein)
2017   Velbuele, Myriam Holme und Claus Stolz, Kunstverein Bellevue-Saal, Wiesbaden
  ICHDUERSIESES, Delegierte Kunstwerke, Kunstverein Ludwigsburg, (K)
2016   Timelines, Kunstverein Ludwigshafen
2015   Lichtbild und Datenbild, Museum im Kulturspeicher Würzburg (K)
2014   Ein Gramm Licht, Museum Industriekultur Nürnberg (K)
  Heliografien, Kunstverein Trier (E)

Diverse Einzel-und Gruppenausstellungen in der Galerie Photo Edition Berlin



www.clausstolz.de




Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
+49 (0)651 / 976 38 40

Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung

 

     

Das Jahresprogramm des Kunstverein Trier Junge Kunst wird ermöglicht durch unsere Unterstützer.

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Letzte Aktualisierung: 26.02.2026 15:12:47 © 2026 Kunstverein Trier Junge Kunst e.V.