Matthias Platz

Against Nature
Holzschnitte
Matthias Platz, Holzschnitt aus der Serie "Der den Sommer färbt", 2022, 30 x 25 cm
Matthias Platz, Holzschnitt aus der Serie "Der den Sommer färbt", 2022, 30 x 25 cm

 
10. Dezember 2022 bis 15. Januar 2023

Eröffnung: Freitag 9. Dezember 2022 20:30 Uhr
Kuration und Begrüßung: Tobias Hött

Bitte beachten Sie beim Besuch der Galerie das aktuelle Hygienekonzept.

Against Nature - Holzschnitte von Matthias Platz

In Against Nature zeigt Matthias Platz groß- und kleinformatige Holzschnitte in mehreren Serien. Seine Grafiken verweisen auf "innere Bilder", collagiert aus Abbildungen der Alltagsmedien wie Fototapeten, alten Chromolithografien, Architektur-Katalogen, alten Pfadfinderzeitungen, Fotos, Werbegrafiken, Google-Bildersuchen, eigenen Zeichnungen, bekannten Motiven aus der Kunstgeschichte, Film-Stills, aber auch aus eigenen Träumen und Erinnerungen als Zeichnungen. Ein fertiger Entwurf wird auf Film ausbelichtet und mit einem Eisenblaudruck auf die Druckplatte übertragen. Doch selbst die fotomechanische Übertragung des Entwurfs wird noch mit bleichenden Substanzen verändert, so dass im Foto wieder leere Stellen entstehen, woraufhin Platz abermals mit Kohle hineinzeichnet. Auf diese Weise tritt Platz der Erstarrung des Bildes, dem rein Abbildhaften im Stadium des Entwurfs entgegen. Das Wirken und die Wandlung der einzelnen Bildelemente in ihrer Komposition zueinander werden so spielerisch erprobt, in ihrem jeweiligen Bedeutungskontext ausgetestet und hinterfragt. Der Comic-Charakter der Holzschnitte resultiert aus der groben Vereinfachung des fertigen Motivs während des Aushebens der Druckplatte mit unterschiedlichen Kerbschnittmessern. Mit Öl- und Buchdruckfarbe koloriert Platz die einzelnen Flächen und druckt im Handabrieb den einzelnen Holzschnitt.

Bildinhalt und -personal bei den jüngeren Werken bestehen meist aus jungen Männern in edlen Wohnungen oder im urbanen Raum; mal stehend, mal sitzend, oft abwesend bis scheinbar gelangweilt; oder verharren sie in einer konzentrierten Pose? Die älteren Schnitte sind kleiner, das Personal agiler und mobiler, zuweilen konfrontativ bis aggressiv, manchmal beobachtend, vertraut und intim. Kein Blick in den Raum oder die Szenerie ist je zu Ende geguckt; wir werden zu Beobachter:innen, zu Zuschauer:innen, zu Voyeur:innen. Und das liegt nicht nur an den angeschnittenen Architekturelementen, den Fensterausblicken oder (Halb-) Rückenfiguren. Es liegt an der sicht- und spürbaren Spannung, die uns in den Bildraum eintauchen und teilhaben lässt und uns die zu erzählende Geschichte hören lassen will. Vielleicht ist das einer der Reize der Arbeiten: Sie zeigen ein Bild, eine Momentaufnahme, und erzeugen mit der gezeigten Fantasiewelt gleichzeitig einen ganzen Film, den die Betrachter:innen zu Ende erzählen können.


Vita
1975   geboren in Trier
1998   dreimonatiges Intensivstudium Installation/Holzschnitt/Fotografie an der Kunstakademie Trier
1998-2000   Ausbildung zum Assistenten der Gestaltungstechnik mit den Schwerpunkten Ausstellungstechnik, Druck und AV-Medien in Wuppertal
2000-2001   Studium Design an der Hochschule für Künste Bremen
2005-2013   Arbeit im Bereich des Camera Departments auf verschiedenen Filmsets
2001-2008   Studium Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin
Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin

Ausstellungen | Projekte | Auszeichnungen
2008   Screening des experimentellen Doppel8mm-Films "Bubblegum" an der Volksbühne Berlin
2010   Ausstellung "Monte Verita revisited", Bromöldrucke, Galerie Glas Berlin; fotografische Dokumentation einer spaziergangswissenschaftlichen Exkursion zu Islands Bibliotheken für das Goethe-Institut Kopenhagen
2010-2011   filmische Arbeit im Rahmen des Theaterstücks "Angst und Abscheu in der BRD" am Theater Oberhausen; Regie, Co-Autorenschaft, Schnittdramaturgie des Hörspiels "Angst und Abscheu in der BRD - Sendezwang" zusammen mit Dirk Laucke und Thomas Mahmoud
2012-2014   Beginn der Arbeit an neuen Hörspielprojekten und Teilnahme an Gruppenausstellungen
2018   Teilnahme Prix d'Art Robert Schuman, Metz
2020   Teilnahme Kunstfestival "Modell Berlin", Matthäus-Kirche, Berlin



Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
+49 (0)651 / 976 38 40

Samstag und Sonntag 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung


Einladung Vernissage am 9. Dezember 2022
Weingut Cantzheim     Mit freundlicher Unterstützung von:
Weingut Cantzheim
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Letzte Aktualisierung: 05.12.2022 12:41:21 © 2022 Kunstverein Trier Junge Kunst e.V.