Von Stimmungen und ihrem empfindlichen Gleichgewicht

Trierer Verein Junge Kunst zeigt Arbeiten von Charlotte Mumm

Verschwommene Gefühle und klare Formen und Konzepte kennzeichnen die spannenden Arbeiten von Charlotte Mumm in der Galerie Junge Kunst.

Von unserer Mitarbeiterin
Eva-Maria Reuther


Trier. "Wie einfach darf eine komplizierte Lösung sein?" Über das schwierige Problem denkt der Titel eines Werks von Charlotte Mumm nach. Die Frage stellt sich auch angesichts der Arbeiten, die derzeit von ihr in der Jungen Kunst zu sehen sind.

Überhaupt ist es in Trier offensichtlich das Anliegen der Künstlerin, komplexe und hochsensible Zusammenhänge im Wortsinn griffig und mit klaren Formen und sparsamen Mitteln ins Bild zu setzen. Dabei entstehen abstrakte Arbeiten, deren Bildsprache allerdings erfreulich direkt ist und die sinnlich erfahrbar ist.

"In meinen Arbeiten thematisiere ich
meine Stimmungen."
Charlotte Mumm


Um das eigene Seelenleben, seine Schwankungen und Balanceakte geht es der 1980 geborenen Künstlerin stets. "In meinen Arbeiten thematisiere ich meine Stimmungen", bestätigt die junge Frau mit dem nachdenklichen Gesicht, die in Georgsmarienhütte bei Osnabrück geboren wurde und schon jetzt eine beachtliche Biografie vorzuweisen hat. Nach dem Studium an der Kunsthochschule Kassel hielt sie sich unter anderem zu einem Studienaufenthalt mehrere Jahre in China auf. Heute lebt Charlotte Mumm in Amsterdam.

Das zentrale Werk der Trierer Schau ist ihre Installation "diffuse". Mumms Bildschöpfung ist schlicht, schlüssig und sinnlich, ohne banal zu sein. Wie der Titel sagt, geht es um Unklares und Verschwommenes, im unbewussten und zuweilen nicht durch Vernunft zu steuernden Seelendunkel.

Mumm hat dazu drei Kunstlederbahnen hintereinander gehängt. Als Ausdruck ihrer wechselnden Gefühlslagen hat sie in die vorderste orangefarbene Bahn - sozusagen die Gesichtsebene, auf der Stimmungen zutage treten - Gesichter gestanzt, die auf wenige Zeichen reduziert sind. Sie erinnern entfernt an mal lächelnde, mal traurige Smileys. Durch die Stanzlöcher fällt das Licht auf eine hintere schwarze Ebene, auf der sich die Zeichen bereits als Lichtpunkte verändern, um dann auf der letzten Ebene völlig zu verschwimmen.

Charlotte Mumm vor ihrer Arbeit "diffuse". TV-Foto:Eva-Maria Reuther
Charlotte Mumm vor ihrer Arbeit "diffuse".
TV-Foto:Eva-Maria Reuther

Eigentlich eine verblüffend einfache, aber formal und ästhetisch überzeugende Bildlösung für das im Grund hoch komplizierte Rätsel des Unbewussten. Mit wenigen, aber eindrücklichen Mitteln kommt die Künstlerin auch in ihrer bildhauerischen Arbeit "möglich" aus, die aus blauen hölzernen T-Trägern besteht, die mit Teppich verkleidet und lackiert sind.

Daran hängen anmutige Kunststoffschlingen. Reizvoll nutzt Mumm Farbe und Materialbeschaffenheit, um die Balance zwischen statischer Strenge und einer fast koketten Leichtigkeit zu halten. Wer es gerne konkret hätte: Manch einen werden die an die Wand gelehnten Objekte womöglich an zusammengeklappte Wäscheständer erinnern. Auch darin liegt der Reiz von Mumms Arbeiten. Man kann sich alles auch ganz anders mal einfacher, mal komplizierter vorstellen.

Im hinteren Teil der Galerie ist zudem die 133 Dias umfassende Bilderschau "Räume" zu sehen, die sozusagen Mumms Gedankengut und ihre Themen ordnet und sichtet. Das allerdings braucht Zeit.

Bis 22. März, als Schaufenstergalerie täglich, sonstige Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung, Telefon 0651/97638-40

 
Quelle: Trierischer Volksfreund vom 8. März 2014, Kulturseite

Link: Charlotte Mumm, Räume, 22. 2. bis 22. 3. 2014

 

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Letzte Aktualisierung: 08.03.2014 17:40:41 © 2015 Kunstverein Trier Junge Kunst e.V.