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Klebestreifen mit schrägen Tönen
Bunte Seifenblasen zum Geburtstag: Die Galerie "Junge Kunst" in Trier feiert den 10.

Von unserem Mitarbeiterin
EVA-MARIA REUTHER

Ein bißchen war es wie in New York als ein buntes Vernissage-Publikum bunte Seifenblasen aus riesigen Tesafilm-Dosen in die Luft blies, um mit Witz und einem Schuß Absurdität das Geburtstagskind gebührend zu feiern. Dem wahnwitzigen Geschehen spielte eine Geige so hinreißend schräg zur Begleitung auf, daß nur ein Philister oder ein Pedant "richtige" Töne hätte verlangen können. Zehn Jahre alt wurde Triers schillernder und provokanter Kunstort, die Galerie "Junge Kunst". Zur Geburtstags-Performance hieß es "zurück zu den Wurzeln". Gründungsvater Siegfried Feid war aus dem benachbarten Saarland gekommen, um - halb Tesaritter, halb Feuerwehrmann - das Klebeband-Spektakel zu inszenieren.

Als Werkstatt-Galerie hatte der heutige Kunstverein angefangen. Mit "Kunst zum anfassen",

Experiment und basisdemokratischer Programmgestaltung hat der rührige Verein für Zoff und Zunder in Triers Kunstszene gesorgt. Mal hochgelobt, mal im Kreuzfeuer der Kritik beweist und lebt die "Junge Kunst" was Dialog und Streitkultur im Kunstbetrieb bedeuten. Erinnert sei noch einmal an die große Installationsschau Experiment(A) im letzten Jahr in der Trierer Tufa oder an die hinreißende "GummiInstallation" der Leipziger Künstlerin Maren Rohloff.

Regionale Förderung ohne provinzielle Biedermännlichkeit und Enge ist gefragt. Und so weist die "Junge Kunst" denn gleichermaßen internationale wie hiesige Künstler in ihren Reihen aus. Gerade rechtzeitig zur Geburtstagsfeier hat ein Künstler der Galerie den Kunstpreis Trier-Saarburg erhalten: der Maler Paul Maßem.

Kunst als provokantes Experiment und sozialer Prozeß: Motor und Lebensnerv der "Jungen Kunst'. Siegfried Feid

demonstrierte zum Jubiläum einmal mehr, was es damit auf sich hat. Der gelernte Freie Künstler und Kunsterzieher in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler reizt Stoffe und Materialien aus. Den Anstoß zur Beschäftigung mit dem Klebeband erhielt er, als er in einer verlassenen Gefängniszelle ein zurückgelassenes Magazin fand. Was sie vom Leben trennte, hatten die Häftlinge auf den Fotos mit Tesafilm überklebt: Brüste, Frauengesichter, Genitalien. Seitdem baut Siegfried Feid jene Trennsysteme und immaginären Welten aus Klebeband. Eigentlich hatte er auch zur Geburtstagsparty seine transparente Gitterwelt zusammenkleben wollen. Indes dem freudigen Anlaß schien solch trüber Ausblick wenig angemessen. Dem Publikum gereichte die künstlerische Umsicht zur Freude und der Galerie zur gastfreundlichen Ehre. - Als Jubiläumsausstellung werden die Performance-Fotos in der Galerie "Junge Kunst" bis 6. Januar 1996 gezeigt.

Quelle: Trierischer Volksfreund vom 19. Dezember 1995

 

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